Am 13.01.2026 hat das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission einen Vorschlag für eine EU-weit harmonisierte Kennzeichnung von Verpackungen und Abfallsammelsystemen bzw. Abfalltrennungsetiketten veröffentlicht. Der Titel des Dokuments lautet „JRC technical proposal on EU harmonised waste sorting labels under the packaging and packaging waste regulation”.
Worum geht es in dem JRC-Vorschlag zur EU-weit harmonisierten Kennzeichnungen für die Abfallsortierung?
Das Dokument enthält einen umfassenden konzeptionellen und visuellen Vorschlag, der sowohl im Einklang mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und ihrem Ziel im Einklang steht, Binnenmarkthindernisse abzubauen, als auch mit den in den verschiedenen Mitgliedstaaten bestehenden Abfalltrennsystemen. Das Konzept enthält Empfehlungen für einen harmonisierten Ansatz, der darauf basiert, Verbraucher über die Materialzusammensetzung von Verpackungen zu informieren und korrekte Sortieranweisungen durch passende Etiketten auf Verpackungen und Abfallbehältern zu vermitteln.
Welche Unterschiede macht der JRC Bericht zur Kennzeichnung auf Verpackungen und Sammelbehältern?
Wie Euwid berichtet, orientiert sich der Entwurf an dem in den nordischen Ländern etablierten Piktogrammsystem (Unified Nordic Pictogram System for Recycling) und empfiehlt ein zweistufiges Kennzeichnungskonzept, das zwischen der Kennzeichnung auf Verpackungen und der Kennzeichnung auf Sammelbehältern unterscheidet, diese jedoch gleichermaßen über ein gemeinsames visuelles Prinzip miteinander verknüpft.
Ist der JRC-Vorschlag verbindlich?
Der Vorschlag soll als Grundlage für die geplanten Durchführungsrechtsakte zur PPWR dienen. Dabei ist der Vorschlag als Empfehlung konzipiert: die Europäische Kommission ist nicht verpflichtet, die Lösungen unverändert zu übernehmen.
Welche Maßnahmen zur Kennzeichnung von Verpackungen sieht der JRC-Bericht vor?
Die Verpackungskennzeichnung soll nur über die Materialzusammensetzung informieren, nicht über die konkrete Entsorgung vor Ort. Vorgesehen sind materialbezogene Piktogramme, optional kurze Texte, ohne verpflichtende Farben und ohne Bezug zu nationalen oder lokalen Sammelsystemen. Begründet wird dies mit dem grenzüberschreitenden Vertrieb: Nationale Entsorgungshinweise würden laut JRC die Marktfragmentierung erhöhen und häufige Designanpassungen erfordern. Farben bleiben freiwillig, u. a. wegen Kosten, möglicher Umweltauswirkungen und Konflikten mit Markenauftritten.
Matching-Prinzip: Welche Maßnahmen sieht der JRC-Vorschlag für die Kennzeichnung von Sammelbehältern vor?
Im Gegensatz zur Verpackungskennzeichnung soll die Kennzeichnung von Abfallsammelsystemen konkrete Sortieranweisungen geben und klar zeigen, welche Abfälle in einen bestimmten Behälter gehören. Dafür sollen dieselben Materialpiktogramme wie auf Verpackungen genutzt, diese jedoch verbindlich farbcodiert und bei Bedarf durch erklärende Texte oder Beispiele ergänzt werden, da Farben im öffentlichen Raum besonders gut wahrgenommen werden. Für Behälter mit mehreren Materialien sind Meta-Labels vorgesehen, die mehrere Piktogramme bündeln, während solche Sammelkennzeichnungen auf Verpackungen ausgeschlossen bleiben. Die Verbindung zwischen Verpackung und Sammelbehälter erfolgt über das Matching-Prinzip, bei dem identische oder sehr ähnliche Piktogramme verwendet werden, sodass Verbraucher unabhängig vom Mitgliedstaat den richtigen Behälter erkennen können. Studien zeigen, dass dies die Sortiergenauigkeit und Nutzerfreundlichkeit verbessert.
Wo liegen die Grenzen des JRC-Vorschlags?
Der Bericht weist auf offene Fragen hin, etwa bei Verbundverpackungen, Pfand- und Rücknahmesystemen, Überschneidungen mit anderen Kennzeichnungen sowie auf rechtliche und organisatorische Grenzen, da die PPWR nur Verpackungen erfasst, nicht hingegen stoffgleiche Nichtverpackungen, und unterschiedliche Akteure für Verpackungs- und Behälterkennzeichnung verantwortlich sind.
Was wird an dem JRC-Vorschlag zur EU-weit harmonisierten Kennzeichnungen für die Abfallsortierung kritisiert?
Aus den beteiligten Kreisen sind bereits kritische Stimmen zu vernehmen, die sich gegen den Grundansatz des JRC-Vorschlags zur PPWR-Kennzeichnung richten. Statt sprachunabhängiger, intuitiver Symbole setze der Vorschlag bewusst auf Icons, die erklärenden Text benötigen, wobei Text ein zentrales und kein optionales Element sei. Damit werde das seit Jahren verfolgte Ziel unterlaufen, Sprache zu reduzieren und eine EU-weit einheitliche, leicht verständliche Kennzeichnung zu schaffen.
Da die Textangaben laut Leitfaden in einer oder mehreren von den Mitgliedstaaten festgelegten Sprachen erfolgen sollen, entstehe keine harmonisierte Terminologie, sondern faktisch ein System mit bis zu 20–24 Sprachen. Die bekannten Folgen – Platzprobleme auf der Verpackung, häufige Verpackungsanpassungen, SKU-Fragmentierung und geschwächte Harmonisierung – würden demnach im Bericht selbst anerkannt und dennoch in Kauf genommen.
Zudem zeige der Leitfaden, dass die Piktogramme allein nicht ausreichend verständlich sind: Text verbessere zwar die Sortiergenauigkeit, insbesondere für bestimmte Nutzergruppen, mache aber deutlich, dass es sich um Matching-Icons handelt, die nur im Zusammenspiel mit Behälterkennzeichnungen funktionieren und nicht eigenständig Bedeutung tragen. Aus Sicht der Kritik bedeutet das ein generelles konzeptionelles Scheitern der Icons.
Auch beim Thema Barrierefreiheit bleibt der Ansatz unvollständig: Zwar seien Schwarz-Weiß-Varianten und Kontrastregeln vorgesehen, doch die empfohlenen Textgrößen unterschritten etablierte Standards, und vollständige Barrierefreiheit sei auf Verpackungen physisch nicht erreichbar. Digitale Lösungen wie QR-Codes oder digitale Produktpässe würden lediglich als Ergänzung, nicht als zentraler Bestandteil gedacht.
Insgesamt bewertet die Kritik den Leitfaden nicht als mutigen Abschluss, sondern als bewussten Kompromiss: mehr Sprache statt weniger, erklärender Text statt starker Symbole und ein gedrucktes, fragmentierungsanfälliges System statt eines konsequenten Digital-First-Ansatzes.
Wie geht es nun weiter mit der EU-weit harmonisierten Kennzeichnungen für die Abfallsortierung?
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